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Ausbau Autobahn-Anschluss Wankdorf: kein gutes Beispiel für die Planung von hochwertigen Velowegen

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Entgegen den Beteuerungen des Bundesamtes für Strassen zeigt die heute publizierte Studie von Pro Velo Bern, dass der geplante Ausbau des Autobahn-Anschlusses Wankdorf keineswegs ein Vorzeigeprojekt punkto Veloförderung darstellt. «Für die meisten Veloverbindungen bringt das Projekt keine Vorteile gegenüber heute», so Michael Sutter, Präsident von Pro Velo Bern. «Und in einigen Fällen werden die Verbindungen sogar schlechter.» Während der langen Bauphase würde der Knoten für Velos auf wichtigen Routen sogar praktisch unpassierbar. Wesentliche Verbesserungen für den Veloverkehr auf diesem Verkehrsknoten könnten auch ohne Autobahn-Ausbau umgesetzt werden. 

Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) beteuert seit vielen Jahren, das Ausbauprojekt beim Autobahn-Anschluss Wankdorf (BUGAW) bringe für den Langsamverkehr – insbesondere für die Velofahrenden – massive Verbesserungen. So nimmt das ASTRA auch in seiner heute verschickten Medienmitteilung zur Umsetzung des Veloweggesetzes in Anspruch, Velowege von hoher Qualität zu planen und zu bauen. Als Beispiel wird das Ausbauprojekt beim Autobahn-Anschluss Wankdorf genannt. Auch auf der offiziellen Website zum Projekt heisst es, «die komplexen Verkehrsbeziehungen werden voneinander getrennt sowie sichere und attraktive Langsamverkehrs-Verbindungen geschaffen.» Sichere und direkte/attraktive Velowege schreibt auch das Veloweggesetz vor (Art. 6bc).

Die genaue Analyse zeigt nun aber: Diese Beteuerungen entbehren für fast alle Routen einer Faktengrundlage. Das geplante Ausbauprojekt beim Autobahn-Anschluss Wankdorf ist trotz der schön geschwungenen Velobrücke keineswegs ein Vorzeigeprojekt punkto Veloförderung: Wie die Studie von Pro Velo zeigt, würden nur bei wenigen der möglichen Routen über den Verkehrsknoten namhafte Verbesserungen bei der Sicherheit resultieren. Diese würden aber auf Kosten der Direktheit – dem zweiten wichtigen Kriterium für hochwertige Velorouten – erkauft. Mit ihrem enormen Höhenunterschied von ca. vier Stockwerken entpuppt sich die Langsamverkehrsbrücke bei näherer Betrachtung für die wenigsten Routen als zweckmässige Verbindung.

Speziell auch für die Bauphase von ca. 5 Jahren zeigen die offiziellen Dokumente und Pläne des BUGAW-Projekts klar ungenügende Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung von sicheren und direkten Veloverbindungen. Auf vielem Routen muss das Velo geschoben werden, einige werden ganz unpassierbar.

Die Studie von Pro Velo Bern enthält auch Vorschläge, wie eine wirkliche Verbesserung der Veloverbindungen beim Autobahn-Anschluss Wankdorf erreicht werden könnte. Für keine dieser Verbesserungen ist das BUGAW-Projekt zwingend. Sie könnten bereits heute geplant und umgesetzt werden.

Das Fazit der Studie von Pro Velo Bern ist daher ernüchternd: Für die meisten Routen und Benutzenden bringt das Projekt keine Vorteile gegenüber heute. In einigen Fällen werden die Verbindungen sogar schlechter. Während der Bauphase würde der Knoten für Velos auf wichtigen Routen praktisch unpassierbar. Würde man auf diesem Verkehrsknoten wirklich Veloförderung betreiben wollen, könnte man das bereits heute mit diversen kleineren Verbesserungen für fast alle wichtigen Routen tun. 

Die erwähnte Studie wurde als Beweismittel der Beschwerde von Pro Velo Bern ans Bundesverwaltungsgericht gegen das BUGAW-Projekt beigelegt und heute an folgende Adressaten verschickt:

  • Gemeinderäte von Bern, Ittigen, Bolligen, Ostermundigen, Muri-Gümligen
  • Regierungsrat des Kantons Bern
  • Bundesamt für Strassen ASTRA

Beilage:

  • Studie von Pro Velo Bern: Analyse der Veloverbindungen – Autobahnanschluss Wankdorf: heute und mit BUGAW (online abrufbar)