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Medienmitteilung: Kein MIV auf der Stadtberner Veloinfrastruktur!

Gemäss Medienberichten plant die Stadt Bern, grossflächig Bus- und Velospuren für den gewerblichen Auto- und Lastwagenverkehr zu öffnen. Pro Velo wird sich mit allen Mitteln gegen eine solche Erhöhung der MIV-Kapazität auf Kosten der Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmenden und der Umwelt zur Wehr setzen und ruft den Gemeinderat eindringlich dazu auf, die eigenen verkehrspolitischen Grundsätze einzuhalten.

In einem Beitrag in der SRF-Sendung Schweiz aktuell vom 16. Dezember kündigte der Stadtberner Verkehrsdirektor Matthias Aebischer an, in Bern bald zahlreiche Bus- und Velospuren für gewerbliche Fahrten mit Autos und Lastwagen (sogenannten «Wirtschaftsverkehr») freizugeben. Gemäss dem Bericht sollen selbst die meistbefahrenen Abschnitte des Veloroutennetzes über den Bahnhofplatz in Zukunft auch dem Autoverkehr zur Verfügung stehen.

Pro Velo wehrt sich vehement gegen diesen verkehrspolitischen Rückschritt auf Kosten der Sicherheit und der Umwelt. «Wir rufen den Gemeinderat eindringlich dazu auf, sich an seine eigenen verkehrs- und klimapolitische Zielsetzungen zu halten und auf ein solches Weihnachtsgeschenk an die Autolobby, die sich geschickt hinter vermeintlichen Gewerbeinteressen versteckt, zu verzichten», so Präsident Michael Sutter.

Der Gemeinderat hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2035 ein Drittel aller Wege innerhalb der Stadt Bern mit dem Velo zurückgelegt werden sollen. Verkehrsdirektor Aebischer liess in einer Medienmitteilung[1] hierzu verlauten, dass dieses Ziel durchaus realistisch sei, «wenn wir es schaffen, dass insbesondere auch Menschen mit einem grösseren Sicherheitsbedürfnis und wenig Veloerfahrung in den Sattel steigen». Pro Velo Bern teilt diese Einschätzung und erwartet, dass die Veloinfrastruktur dementsprechend sicherer ausgestaltet wird. Die Öffnung von Umweltspuren für gewerblichen MIV würde jedoch das genaue Gegenteil bewirken und die Vision einer sicheren Veloinfrastruktur für alle Menschen von 8 bis 80 ad absurdum führen. Bereits heute sind diese Spuren – insbesondere im Bereich des Bahnhofplatzes – stark von Velos und Doppelgelenkbussen frequentiert, was das Fahren dort anspruchsvoll macht und regelmässig zu Konflikten führt.

Mit der vorgeschlagenen Massnahme würde die Kapazität des MIV auf den betreffenden Strecken auf einen Schlag verdoppelt und das verkehrspolitische Ziel der MIV-Reduktion damit zur Makulatur. Die Umwelt würde durch zusätzliche Emissionen belastet und auch die Klimaziele der Stadt in Frage gestellt. Pro Velo lehnt einen solchen verkehrspolitischen Rückschritt in aller Deutlichkeit ab und wird sich mit allen Mitteln dagegen wehren.

 


[1]https://www.bern.ch/mediencenter/medienmitteilungen/aktuell_ptk/ambitionierte-ziele-fuer-den-fuss-und-veloverkehr (20.11.2025)