Medienmitteilung: «Vernetzen» – aber richtig

Medienmitteilung vom 6. September 2019

«Vernetzen» – aber richtig

Die Regionalkonferenz Bern-Mittelland präsentiert mit der «Mobilitätsstrategie 2040» ihre Vorstellungen über die zukünftige Entwicklung im Bereich Mobilität. Pro Velo Bern hat sich an der Mitwirkung beteiligt und sich für die Anliegen der Velofahrenden stark gemacht.

Die Eckpunkte der Mobilitätsstrategie von 2003, «Vermeiden», «Verlagern» und «Verträglich gestalten», sollen durch eine vierte Dimension «Vernetzen» ergänzt werden, um damit der technologischen Entwicklung Rechnung zu tragen. Die darauf aufbauende prognostizierte und als erstrebenswert beschriebene Entwicklung der Mobilität wird im Bericht der RKBM jedoch zu wenig reflektiert.

Bei der «digitalen Vernetzung» der unterschiedlichen Fahrzeuge bestehen unseres Erachtens grosse Nachteile für die Verkehrsteilnehmenden, die gegenüber den dadurch möglicherweise erzielten Effizienzgewinnen abgewogen werden müssen.
Weiter wird autonomes Fahren unkritisch als Mobilitätsform der Zukunft bezeichnet, ohne den Nachteilen (z.B. Mehrverkehr) und Unsicherheiten (z.B. Sicherheitsbedenken oder bezüglich Zulassung) genügend Rechnung zu tragen. Auch der sogenannte «öffentliche Individualverkehr» und die «Personal Mobility Devices» (wie z.B. E-Trottinette), werden unkritisch gelobt, ohne ausreichend auf deren negativen Aspekte (Konflikte, Sicherheit, Platzbedarf, Umwelt, Konkurrenzierung Fuss- und Veloverkehr, usw.) einzugehen.

Die Förderung der Entwicklung hin zur «Mobilität als Dienstleistung» ist unserer Meinung nach deshalb zweitrangig. Bevor dies geschieht, müssen die vorhandenen Ressourcen zur weiteren Verbesserung der Infrastruktur der aktiven Mobilität (Fuss- und Veloverkehr) verwendet werden. Dies unter anderem durch die Bereitstellung von zusätzlichen Veloabstellplätzen und sicheren und komfortablen Velorouten. Denn diese sind für die «physische Vernetzung» – den Wechsel des Transportmittels – unabdingbar. Die Vernetzung der unterschiedlichen Transportmittel erachten wir dann als sinnvoll, wenn sie zur Verlagerung auf umweltfreundliche und platzsparende Verkehrsmittel führt.

Wir begrüssen, dass mit der Mobilitätsstrategie ein weiteres Wachstum des Veloverkehrs angestrebt wird. Damit dies gelingt, muss jedoch die Infrastruktur entsprechend um- und ausgebaut werden. Deshalb ist es wichtig, dass bei der Infrastrukturfinanzierung zwischen motorisierten Individualverkehr (MIV), öffentlichem Verkehr und aktiver Mobilität unterschieden wird. Denn insbesondere im urbanen Raum wird keine flächendeckende MIV-Erschliessung benötigt.