ZMB Länggasse (Wyler) überzeugt zu grossen Teilen nicht

Die ZMB Wyler-Länggasse erfüllt die Erwartungen an eine verlässliche Zweckmässigkeitsbeurteilung leider bei weitem nicht. So werden die sehr negativen Auswirkungen der vorgeschlagenen Tramlinie in die Länggasse auf den Veloverkehr kommentarlos hingenommen, obwohl sie in fundamentalem Widerspruch zu den verkehrspolitischen Zielsetzungen der Stadt Bern stehen. Zudem sind Nachfragebeurteilung und Variantenfächer nicht vollständig und es fehlt eine Gesamtbetrachtung des ÖV-Netzes, die zwingend wäre.

Während die bestbewertete Bus-Lösung auf dem Wyler-Ast mit relativ wenigen neuen Konflikten für den Veloverkehr verbunden wäre, würde sich eine Tramlinie in die Länggasse mit sehr vielen andern Anforderungen an Stadtraum und Verkehr nicht vertragen. Insbesondere wären die Auswirkungen auf den Veloverkehr sehr negativ.

Anlass zur Kritik geben aber auch die Datenbasis bezüglich Nachfrage, die Ziel- Szenarien bezüglich Kapazitäten, die Bewertungskriterien (z.B. Fuss- & Veloverkehr als ein Kriterium) und die viel zu starke Gewichtung der Kapazitätsfrage gegenüber allen anderen Kriterien.

Bereits in der Grobbewertung der einzelnen Äste bekommt die Tramvarianten Länggasse in der ZMB bei vielen Kriterien teils stark negative Bewertungen (S. 54 des Berichts). Dass die Auswirkungen auf den Fuss- und Veloverkehr gemeinsam als ein Kriterium behandelt werden und kaum Gewicht haben, ist ein systematischer Fehler dieser ZMB. Dieses Kriterium bekommt bei den Tramvarianten denn auch zwei von drei möglichen negativen Stufen. Vor dem Hintergrund der Förderung des Fuss- und Veloverkehrs durch die Stadt Bern stellt dies einen gravierenden verkehrspolitischen Widerspruch dar, der nicht einfach so hingenommen werden darf. Es ist unbegreiflich, wie die Tramvariante mit so wesentlichen negativen Punkten am Schluss als «Bestvariante» dastehen kann.

Bedauerlich ist auch, dass diese Tram-„Best“-Variante nun die eigentlich baureife Umgestaltung der Länggasse über Bord kippt. Pro Velo hofft aber, dass sich die „Übergangslösung“ mit dem etwas besser abschneidenden Doppelgelenkbus als genügend erweisen und zum Definitivum wird.